Produktivitäts- und Arbeitskostenentwicklung 2025: In Zeiten der Polykrise
Seit Ende 2022 haben geopolitische Verwerfungen, Trumps Zollpolitik, die chinesische Subventionspolitik, anhaltende Kriege sowie die fortbestehende Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu einer ausgeprägten Nachfrageschwäche geführt. Nach zwei Jahren Abschwung stagnierte die deutsche Wirtschaft auch im Jahr 2025, während der Arbeitsmarkt bemerkenswert robust blieb. Die deutschen Lohnstückkosten (LSK) stiegen 2025 zwar überdurchschnittlich. Dies ist in Rezessions- und Stagnationsphasen aufgrund ihrer antizyklischen Entwicklung jedoch nicht ungewöhnlich und stellt keinen Indikator für die künftige Entwicklung dar. Ausschlaggebend für den LSK-Anstieg war nicht die Arbeitskostenentwicklung, sondern das schwache Produktivitätswachstum insbesondere infolge der anhaltenden Nachfrageschwäche. Der beschleunigte Strukturwandel leistet hierzu nur einen geringen Beitrag. Entscheidend sind vielmehr die konjunkturell bedingte Abschwächung des Produktivitätswachstums der letzten Jahre sowie die im internationalen Vergleich geringe IKT-Kapitalakkumulation, die auf unzureichende Investitionen in Digitalisierung und Zukunftstechnologien hindeutet. Statt Lohnzurückhaltung oder Sozialabbau braucht es daher mehr Investitionen in Digitalisierung; künstliche Intelligenz und Innovation - insbesondere im Dienstleistungssektor -, die den Faktor Arbeit kollaborativ dabei unterstützen, seine Fähigkeiten zu erweitern und die Arbeitsproduktivität nachhaltig zu erhöhen.
Stichworte: Produktivität, Arbeitskosten, Lohnstückkosten, Euroraum, Wettbewerbsfähigkeit, Mehrfachkrise
Quelle
Herzog-Stein, Alexander; Stein, Ulrike; Rudorf, Nico (2026):
In Zeiten der Polykrise - Produktivitäts- und Arbeitskostenentwicklung 2025
IMK Report Nr. 202, Düsseldorf, 27 Seiten