Systemrelevant Podcast: So könnten Strompreise stabiler bleiben
Hohe Gaspreise treiben auch den Strompreis. Sebastian Dullien und Tom Bauermann erklären, wie das Iberische Modell Verbraucher*innen entlasten und Investitionen absichern kann.
[17.07.2026]
Explodierende Gaspreise treffen nicht nur Menschen, die mit Gas heizen. Sie können auch Strom, Lebensmittel und Industrieprodukte verteuern. IMK-Direktor Sebastian Dullien und IMK-Experte Tom Bauermann sprechen mit Marco Herack darüber, wie sich der Strommarkt krisenfester machen lässt. Ihr Vorschlag: das Iberische Modell.
Das zentrale Problem liegt in der Preisbildung am Strommarkt. Häufig bestimmt das teuerste Kraftwerk, das zur Deckung des Bedarfs noch benötigt wird, den Preis für alle Anbieter. Steigen die Gaspreise, verteuert sich deshalb auch Strom aus Windkraft, Solarenergie oder Braunkohle. Genau hier setzt das Iberische Modell an: Der Gaspreis für die Stromerzeugung wird gedeckelt. Dadurch können Gaskraftwerke ihren Strom günstiger anbieten, und der Preis an der Strombörse sinkt. Für ihre Mehrkosten erhalten die Betreiber einen Ausgleich über eine Umlage. Spanien und Portugal nutzten dieses Verfahren bereits in den Jahren 2022 und 2023. Laut Bauermann blieben die Strompreise dort dadurch niedriger als in anderen europäischen Ländern.
Das IMK hat die Entwicklung der Strompreise für ein Jahr simuliert – mit und ohne Iberischen Mechanismus. Dullien und Bauermann rechnen mit einer Nettoentlastung der Verbraucher*innen von rund 7,3 Milliarden Euro pro Jahr. Bauermann bezeichnet den Mechanismus als „recht elegant“, weil er die Grundzüge des Marktes erhalte.
Das Iberische Modell könnte dazu beitragen, die Strompreise während der Energiewende stabiler zu halten. Strom aus Wind und Sonne ist zwar günstig, solange ausreichend davon verfügbar ist. Bei wenig guten Wetterbedingungen müssen jedoch weiterhin Gaskraftwerke einspringen – und dann können die Preise schnell steigen. Deshalb braucht es einen Mechanismus, der solche extremen Preissprünge abfedert.
Stabile Strompreise helfen Haushalten ebenso wie Unternehmen. Dullien: “Es ist wichtig, dass die Industrie eine Planbarkeit hat, also dass sie weiß, dass auch in Zukunft Strom nicht unendlich teuer wird. Und vielleicht auch nicht so teuer, wie es 2022/23 bei der Ukraine-Invasion passiert ist. Aus unserer Sicht ist das Iberische Modell wieder eine Möglichkeit, um einzusteigen und zu prüfen, dass man diesen Grenzstrom […] der dann den Preis für alles andere hochzieht, irgendwie günstiger macht. Diese Preisschwankungen aufzuhalten und insgesamt auch das Preisniveau im Durchschnitt für den Strom zu senken.“
Preisschocks werden uns auch während der Transformation des Energiesystems begleiten. Die Politik und die Europäische Union sollten den Iberischen Mechanismus deshalb ernsthaft prüfen. Welche Risiken Kritiker in diesem Modell sehen, verrät und entkräftet Bauermann im Verlauf der Folge.
[Moderation: Marco Herack]
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In Systemrelevant analysieren führende Wissenschaftler:innen der Hans-Böckler-Stiftung gemeinsam mit Moderator Marco Herack, was Politik und Wirtschaft bewegt: makroökonomische Zusammenhänge, ökologische und soziale Herausforderungen und die Bedingungen einer gerechten und mitbestimmten Arbeitswelt – klar verständlich und immer am Puls der politischen Debatten.
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