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Systemrelevant Podcast: Iran-Krieg: Wie stark trifft er die deutsche Wirtschaft?

Aufschwung oder Rückschlag? Die deutsche Wirtschaft steht vor ungewissen Entwicklungen. Vieles hängt von der Lage im Nahen Osten ab. Warum der Konflikt, Energieflüsse und Infrastruktur jetzt entscheidend sind, erklärt Sebastian Dullien.

[26.03.2026]

Mehrere Jahre hintereinander sah es so aus, als würde sich die deutsche Wirtschaft erholen. Doch nun treibt ein neuer Krieg Öl- und Gaspreise nach oben. Damit steigen auch die Risiken für die Konjunktur, Inflation und Investitionen.

Wenn Menschen glauben, dass Wachstum ausbleibt, halten sie sich zurück. Unternehmen investieren weniger, Haushalte konsumieren weniger.

Wie entwickelt sich die deutsche Wirtschaft 2026 und 2027 – und was bedeutet der Krieg in der Golfregion dafür? Das hat die aktuelle Konjunkturprognose des IMK untersucht. 

Die deutsche Wirtschaft kann in diesem Jahr um 0,9 Prozent und 2027 um 1,6 Prozent wachsen. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass der Iran-Krieg nicht über den Sommer hinaus andauert, die Energielieferungen durch die Straße von Hormus im Sommer wieder ungehindert laufen und die Öl- und Gas-Infrastruktur der arabischen Golfstaaten nicht substanziell beschädigt ist. Davon geht unser IMK aus. 

Der aktuelle Konflikt wirkt vor allem über Energiepreise. Öl und Gas werden teurer. Und das trifft nicht nur die Tankstelle, sondern hat in den Lieferketten auf viele Bereiche Auswirkungen, beschreibt Dullien die Erfahrung aus der letzten Krise. Lebensmittel, Industrieproduktion – vieles hängt daran. In der aktuellen Situation komme hinzu, dass die Golfregion auch ein wichtiger Produzent von Düngemitteln sei, so Dullien. 

Gleichzeitig zeigt sich: „Die Anpassungsfähigkeit [der Wirtschaft] ist begrenzt.“ Hohe Energiepreise wirken lange nach.

Welche Antworten gibt es? Kurzfristig stabilisiert die Finanzpolitik. Ohne staatliche Ausgaben wäre Deutschland wohl schon in der Rezession. Zusätzlich diskutiert Dullien Eingriffe bei u.a. Energiepreisen und im Strommarkt. Langfristig geht es darum, Abhängigkeiten zu verringern und die Wirtschaft robuster aufzustellen.

Am Ende bleiben „Ungewissheiten und große Risiken“, so Dullien. Zudem gebe es weiterhin geoökonomische, geopolitische Verschiebungen. „Wir haben immer noch die Zollpolitik von Donald Trump. Das vergisst man ja ganz gerne, aber die Zölle sind immer noch ziemlich hoch und auch sehr unsicher.“

Die aktuelle Prognose ist daher eher vorsichtig optimistisch. „Diese 0,9 Prozent […] scheinen mir im Moment eher in Richtung eines Best-Case-Szenarios zu laufen“, resümiert der IMK-Direktor. Mehr dazu im Verlauf der Folge.

[Moderation: Marco Herack]

Alle Informationen zum Podcast

In Systemrelevant analysieren führende Wissenschaftler:innen der Hans-Böckler-Stiftung gemeinsam mit Moderator Marco Herack, was Politik und Wirtschaft bewegt: makroökonomische Zusammenhänge, ökologische und soziale Herausforderungen und die Bedingungen einer gerechten und mitbestimmten Arbeitswelt – klar verständlich und immer am Puls der politischen Debatten.

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