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Blick in den Duisburger Oelhafen, im Hintergrund liegen Tankschiffe am Anleger, Oeltanks, Tanks, Duisburger Hafen, Duisport, am 19.05.2026 in Duisburg/ Deutschland. Pressemitteilungen

Neue Konjunkturprognose des IMK: Folgen des Iran-Kriegs bremsen Wachstum 2026 auf 0,6 Prozent und 0,9 Prozent 2027

18.06.2026

Der Iran-Krieg und der dadurch ausgelöste Energiepreisschock bremsen die Erholung der deutschen Wirtschaft deutlich, stoppen sie aber nicht komplett. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt dürfte in diesem Jahr um 0,6 Prozent und 2027 um 0,9 Prozent wachsen. Voraussetzungen dafür sind, dass der Krieg nicht weiter eskaliert, sich die Energielieferungen durch die Straße von Hormus im weiteren Jahresverlauf normalisieren, die Öl- und Gasinfrastruktur der arabischen Golfstaaten nicht substanziell weiter beschädigt wird und die Europäische Zentralbank die Leitzinsen allenfalls moderat um 0,5 Prozentpunkte erhöht. Von diesem Szenario geht das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung in seiner neuen Konjunkturprognose aus.* Falls sich die Ankündigungen um einen Rahmenvertrag zum Frieden zwischen den USA und dem Iran als belastbar erweisen, wäre aber auch eine stärkere konjunkturelle Aufhellung wahrscheinlich (mehr unten).

Der Höhenflug der Energiepreise wird sich nach dem IMK-Hauptszenario bis zum Jahresende 2026 zurückbilden. Die Inflation ist im Jahresmittel 2026 zwar mit 2,8 Prozent deutlich höher als zum Jahresauftakt erwartet und wird insbesondere den privaten Konsum belasten – so stark, dass davon in diesem Jahr kaum ein Beitrag zum Wirtschaftswachstum ausgeht. 2027 läge die Teuerung mit 2,3 Prozent aber wieder deutlich näher am Inflationsziel der EZB. Die positiven Impulse durch die erhöhten staatlichen Investitionen werden im laufenden Jahr vom Energiepreisschock überlagert, im kommenden Jahr aber wieder stärker das Wachstum antreiben, weil sie auch die privaten Ausrüstungsinvestitionen stimulieren. Am Arbeitsmarkt bewegt sich nach der IMK-Prognose wenig, die Arbeitslosenquote steigt in diesem Jahr um 0,1 Prozentpunkte auf durchschnittlich 6,4 Prozent, um 2027 wieder auf 6,3 Prozent zu sinken.

Gegenüber seiner vorherigen Prognose vom März 2026 reduziert das IMK die Wachstumserwartung beim BIP für dieses Jahr um 0,3 Prozentpunkte. Für 2027 nehmen die Düsseldorfer Konjunkturexpert*innen die BIP-Prognose um 0,7 Prozent zurück. „Der wirtschaftliche Schaden durch den Iran-Krieg ist erheblich, aber halbwegs beherrschbar, wenn sich der Konflikt nicht noch etliche Monate hinzieht. Außerdem haben es die EZB und die Bundesregierung in der Hand, die Konjunktur zu unterstützen oder noch weiter zu schwächen“, fasst Prof. Dr. Sebastian Dullien, der wissenschaftliche Direktor des IMK, das Bild zusammen.

Die Forscher*innen haben in ihrer Prognose einen vorsichtigen Ansatz gewählt und sind davon ausgegangen, dass es bei den weiteren Friedensverhandlungen zwischen den USA und Iran zu Rückschlägen kommt und die Unsicherheit über den Einigungsprozess den Ölpreis weiterhin erhöht. „Sollte sich die jüngst geschlossene Vereinbarung zwischen den USA und Iran als nachhaltig erweisen, könnte der Ölpreis allerdings schneller und weiter fallen als von uns angenommen. Dann würde auch die Inflation in Deutschland geringer und das Wachstum messbar höher ausfallen“, so Dullien. In diesem Jahr wären dann rund 0,8 Prozent Wachstum plausibel, 2027 etwas mehr als ein Prozent.

Diese Abhängigkeit der Prognose vom Krieg im mittleren Osten illustriere einmal mehr die Ursachen der deutschen Wachstumsschwäche, betont Ökonom Dullien. „Die aktuellen Probleme der deutschen Wirtschaft sind in erster Linie Folge externer Energiepreisschocks, eines aggressiven Protektionismus in China und den USA sowie der erheblichen Aufwertung des Euro“, so Dullien. „Es sind keine klassischen Probleme preislicher Wettbewerbsfähigkeit.“ Deutschland brauche einen Fokus auf Investitionen, Innovationen und Produktivitätssteigerungen. „Dafür sind keine Sozialreformen nötig, die die Lohnnebenkosten drücken, indem sie Lasten auf die Beschäftigten umverteilen, sondern ein ganzheitlicher industriepolitischer Ansatz. Dabei darf es keine Denkverbote geben, sondern der ganze Instrumentarienkasten einschließlich Schutzzöllen auf EU-Ebene und Buy-European-Klauseln sollte diskutiert werden“, sagt der IMK-Direktor.

Zudem sei es in der gegenwärtigen Situation wirtschaftspolitisch wichtig, „die Menschen nicht weiter zu verschrecken und den Konsum nicht zusätzlich zu schwächen – wie es durch nervöse und übertriebene Diskussionen zu Kürzungen bei Gesundheit oder Rente passiert.“

Die EZB solle sich mit Zinserhöhungen so weit wie möglich zurückhalten, raten die Expert*innen des IMK. Denn noch sei es durchaus möglich, dass der Energiepreisschock temporär bleibt. „Eine geldpolitisch induzierte Rezession erscheint vor diesem Hintergrund nicht zielführend“, schreiben sie. Für den – aktuell unwahrscheinlichen – Fall, dass sich die höhere Inflation doch verfestigt, sollten die europäischen Regierungen Vorbereitungen treffen. Unter anderem, indem sie Maßnahmen einleiten, um den Strompreis vom Gaspreis zu entkoppeln, und sie sollten eine Deckelung von Energiepreisen ebenso wie Übergewinnsteuern ins Auge fassen. Sinnvoll sei es zudem, den Verbrauch fossiler Energien zu verringern, beispielsweise durch ein generelles Tempolimit auf Autobahnen oder so viel Homeoffice wie möglich.

Kerndaten der Prognose

– Arbeitsmarkt –

Das schwache Wachstum kann den Trend auf dem Arbeitsmarkt nicht ins Positive drehen. Die Zahl der Erwerbstätigen nimmt im Jahresdurchschnitt 2026 um 0,4 Prozent ab. Die Arbeitslosigkeit steigt moderat um gut 40.000 Personen auf rund 2,99 Millionen im Jahresmittel, die Arbeitslosenquote beträgt 6,4 Prozent nach 6,3 Prozent 2025. Für 2027 veranschlagen die Forschenden einen weiteren, allerdings sehr kleinen, Rückgang der Erwerbstätigenzahl um jahresdurchschnittlich 0,1 Prozent. Die Arbeitslosigkeit sinkt minimal, die Quote geht wieder auf 6,3 Prozent zurück.

– Weltwirtschaft und Außenhandel –

Die Weltwirtschaft wächst 2026 um 3,0 Prozent, „historisch schwach“, so das IMK. Der Iran-Krieg und die Handelspolitik der USA wirken belastend – auch auf die wirtschaftliche Entwicklung im eigenen Land. Das IMK rechnet für die USA 2026 und 2027 mit einem Wirtschaftswachstum von 2,0 bzw. 1,7 Prozent. Der Euroraum wird allerdings weitaus stärker getroffen: 2026 wächst das BIP 2026 nur um 0,4 Prozent, 2027 sind es 1,1 Prozent.

Die deutschen Exporte erhalten von wichtigen Handelspartnern nur schwache Impulse, wozu neben Iran-Krieg und US-Zöllen auch beiträgt, dass der Euro erheblich gegenüber US-Dollar und chinesischem Renminbi aufgewertet hat und dass in China gezielt Importe durch Produkte aus heimischer Herstellung ersetzt werden. Die Nachfrage aus anderen EU-Ländern stützt zwar die deutschen Ausfuhren, aber mit deutlich weniger Schwung als in den Vorjahren. Gleichwohl steigen die Exporte im Jahresdurchschnitt 2026 leicht um 0,3 Prozent. 2027 legen sie moderat um 1,5 Prozent im Jahresmittel zu. Die Importe nehmen 2026 nur geringfügig um durchschnittlich 0,1 Prozent zu, 2027 dann stärker um 2,1 Prozent. Dementsprechend ist der Beitrag des Außenhandels zum Wirtschaftswachstum in diesem Jahr minimal positiv (0,1%), 2027 leicht negativ (-0,2%). Deutschland verzeichnet weiterhin einen Leistungsbilanzüberschuss, er beträgt je 4,3 Prozent des BIP in beiden Jahren.   

– Investitionen –

Die mit dem Iran-Krieg einhergehende Inflation und Unsicherheit haben die Erholung der Ausrüstungsinvestitionen zurückgeworfen. Die verstärkten Ausgaben des Staates für Infrastruktur und insbesondere Verteidigung setzen zwar Impulse, doch diese übertragen sich nur gedämpft auf die privaten Investitionen. Unter dem Strich nehmen die Ausrüstungsinvestitionen im Jahresdurchschnitt 2026 leicht um 0,3 Prozent ab, 2027 wachsen sie um 0,8 Prozent. Auch die Aufwärtsentwicklung bei den Bauinvestitionen wird deutlich verzögert und geschwächt. Im Jahresdurchschnitt 2026 sinken sie sogar um 0,8 Prozent, im kommenden Jahr legen sie um durchschnittlich 3,5 Prozent zu.

– Privater und öffentlicher Konsum –

Der private Konsum wird durch die erhöhten Energiepreise belastet, aber nicht komplett abgewürgt, wenn die Lohnentwicklung solide bleibt. Für dieses Jahr erwartet das IMK einen kleinen realen Zuwachs der privaten Konsumausgaben um 0,3 Prozent im Jahresdurchschnitt. 2027 nehmen die Ausgaben dann um real 0,6 Prozent im Jahresmittel zu. Mit 0,1 Prozent in diesem und 0,3 Prozent im kommenden Jahr leistet die private Nachfrage aber nur geringfügige Beiträge zum Wirtschaftswachstum.

– Inflation und öffentliche Finanzen –

Für 2025 prognostiziert das IMK eine durchschnittliche Teuerungsrate von 2,8 Prozent im Jahresmittel. Für 2027 erwarten die Expert*innen eine durchschnittliche Inflation von 2,3 Prozent.

Das IMK rechnet damit, dass sich die staatlichen Einnahmen 2026 relativ schwach entwickeln. Zusätzlich zur schwachen Konjunktur dämpfen auch Entlastungsmaßnahmen wie der Ausgleich der kalten Progression, der Investitionsbooster und die Mehrwertsteuersenkung in der Gastronomie das Steueraufkommen. Die öffentlichen Einnahmen wachsen in diesem Jahr und im kommenden Jahr schwächer als die Ausgaben – vor allem, weil die öffentlichen Investitionen und insbesondere die Verteidigungsausgaben nun spürbar ausgeweitet werden. Das gesamtstaatliche Defizit gemessen am BIP steigt daher auf 3,8 Prozent 2026 und 4,2 Prozent im kommenden Jahr.

Kontakt

Prof. Dr. Sebastian Dullien
Wissenschaftlicher Direktor IMK

Prof. Dr. Christian Breuer
IMK-Konjunkturexperte

Rainer Jung
Leiter Pressestelle

Weitere Informationen

*Christian Breuer, Sebastian Dullien, Alexander Herzog-Stein, Christoph Paetz, Katja Rietzler, Sabine Stephan, Thomas Theobald, Silke Tober, Sebastian Watzka: Iran-Krieg durchkreuzt Hoffnung auf schnelle Erholung. Prognose-Update: Die konjunkturelle Lage zur Jahresmitte 2026. IMK Report Nr. 201, Juni 2026.
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Kernergebnisse der Prognose im Audio-Statement von Konjunkturforscher Prof Dr. Christian Breuer
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