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Berlin, 14.06.2026. Ein Kunde an einer Tankstelle betankt sein Auto. Pressemitteilungen

Neue Werte des IMK Inflationsmonitors: Inflationsraten insbesondere bei Familien gesunken durch Tankrabatt und geringere Teuerung bei Nahrungsmitteln

19.06.2026

Die Inflationsrate in Deutschland ist im Mai auf 2,6 Prozent gesunken – 0,3 Prozentpunkte weniger als im April. Ausschlaggebend dafür war der Tankrabatt, der den Preisschock bei Kraftstoffen und Heizöl gedämpft hat. Die Kraftstoffpreise prägen aktuell auch die haushaltsspezifischen Inflationsraten: Familien, und insbesondere die mit niedrigen und mittleren Einkommen, sind grundsätzlich von der durch den Iran-Krieg ausgelösten Teuerungswelle besonders stark betroffen, weil in ihren Warenkörben Ausgaben für Auto-Kraftstoffe ein relativ hohes Gewicht haben. Dementsprechend hat der Tankrabatt, in Kombination mit einer sehr moderaten Preisentwicklung bei Lebensmitteln im Mai, die Inflationsrate dieser Familien-Haushalte am deutlichsten gebremst. So ging im Vergleich von neun repräsentativen Haushaltstypen, die sich nach Zahl und Alter der Mitglieder sowie nach dem Einkommen unterscheiden, die Inflationsrate von Paarfamilien mit geringen Einkommen am stärksten zurück – um 0,5 Prozentpunkte von 2,9 Prozent im April auf 2,4 Prozent im Mai. Bei Paarfamilien mit mittleren Einkommen waren es 0,4 Prozentpunkte von 3,0 auf 2,6 Prozent. Die geringste Teuerung verzeichneten im Mai Alleinlebende mit niedrigen Einkommen (1,9 Prozent nach 2,1 Prozent im April). Diese wurden zwar vom Tankrabatt nur wenig entlastet, weil sie oft kein Auto besitzen. Bei ihnen wirkt sich aber aus, dass der Nahrungsmittelpreisanstieg mit 0,4 Prozent auf dem niedrigsten Stand seit gut zwei Jahren war und dass sich der Höhenflug des Weltmarktpreises von Erdgas bislang noch nicht auf die Preise für Haushaltsenergie übertragen hat. Alle weiteren untersuchten Haushaltstypen lagen mit Raten von 2,4 bis 2,6 Prozent sehr nahe beieinander (alle Daten in der Abbildung in der pdf-Version dieser PM; Link unten). Zu diesem Ergebnis kommt der neue IMK Inflationsmonitor.*

Der Krieg gegen den Iran und die Blockade der Straße von Hormus dürften sich zwar mit etwas Zeitverzug indirekt auswirken auf höhere Energie-, Transport und Düngemittelpreise, was wiederum auch die Preise für andere Warengruppen antreiben wird. Sollte sich die Verständigung zwischen US- und iranischer Regierung auf ein Ende des Krieges als belastbar erweisen, könnte dieser Effekt aber sehr begrenzt bleiben, analysiert IMK-Inflationsexpertin und Studienautorin Dr. Silke Tober.

In dieser Situation sei die vergangene Woche von der Europäischen Zentralbank (EZB) beschlossene Leitzinserhöhung „verfrüht“ gewesen und ein unnötiger zusätzlicher Gegenwind für die ohnehin schwache wirtschaftliche Entwicklung, kritisiert Tober. Es fehle aktuell ein „hinreichender ökonomischer Grund, die Konjunktur zusätzlich zu bremsen“, so Tober. Weder direkte noch indirekte Effekte von Preisschocks rechtfertigten eine Zinserhöhung, sondern nur Zweitrundeneffekte, die der Inflation Persistenz verleihen würden. Ob es zu Zweitrundeneffekten kommt, lasse sich derzeit gar nicht abschätzen, zumal die Dauer der hohen Rohöl- und Erdgaspreise völlig unbestimmt sei. Aktuell deute die Verständigung zwischen den USA und dem Iran sogar darauf hin, dass sich der Energiepreisschock rasch zurückbilden könnte.

Informationen zum Inflationsmonitor

Für den IMK Inflationsmonitor werden auf Basis der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) des Statistischen Bundesamts die für unterschiedliche Haushalte typischen Konsummuster ermittelt. So lässt sich gewichten, wer für zahlreiche verschiedene Güter und Dienstleistungen – von Lebensmitteln über Mieten, Energie und Kleidung bis hin zu Kulturveranstaltungen und Pauschalreisen – wie viel ausgibt und daraus die haushaltsspezifische Preisentwicklung errechnen. Die Daten zu den Haushaltseinkommen stammen ebenfalls aus der EVS. Im Inflationsmonitor werden neun repräsentative Haushaltstypen betrachtet: Paarhaushalte mit zwei Kindern und niedrigem (2000-2600 Euro), mittlerem (3600-5000 Euro), höherem (mehr als 5000 Euro) monatlichem Haushaltsnettoeinkommen; Haushalte von Alleinerziehenden mit einem Kind und mittlerem (2000-2600 Euro) Nettoeinkommen; Singlehaushalte mit niedrigem (unter 900 Euro), mittlerem (1500-2000 Euro), höherem (2000-2600 Euro) und hohem (mehr als 5000 Euro) Haushaltsnettoeinkommen sowie Paarhaushalte ohne Kinder mit mittlerem Haushaltsnettoeinkommen zwischen 3600 und 5000 Euro monatlich. Der IMK Inflationsmonitor wird monatlich aktualisiert.

Kontakt

Dr. Silke Tober
IMK-Expertin für Geldpolitik

Rainer Jung
Leiter Pressestelle

Weitere Informationen

*Silke Tober: IMK Inflationsmonitor: Kraftstoffpreise dominieren Inflation auch im Mai 2026, EZB reagiert verfrüht. IMK Policy Brief Nr. 217, Juni 2026.
Download

Die PM mit Abbildung
Download (pdf)

Ergebnisse des Inflationsmonitors in interaktiven Grafiken
 

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